Lässt sich ein Fertighaus aus den 1970ern von außen dämmen?
In vielen Fällen ja. Die Außenwände alter Fertighäuser sind oft nur schwach gedämmt, die Außenhülle ist deshalb der naheliegende Ansatzpunkt. Eine Dämmung von außen verkleinert die Räume nicht. Drei Dinge müssen vorher stimmen:
- Die Konstruktion ist trocken und tragfähig. Geschädigte Bauteile werden instand gesetzt, nicht überdämmt.
- Mögliche Schadstoffe aus der Bauzeit sind untersucht.
- Es wird ein Holzfaser-WDVS verwendet, das für den Holzbau zugelassen ist. WDVS steht für Wärmedämmverbundsystem: Dämmplatte, Armierung und Putz bilden gemeinsam die neue Außenhaut.
Ob Ihr Haus dafür geeignet ist, entscheidet die Bestandsprüfung am Objekt. Für ein Holzrahmen- oder Holzständerhaus gelten dieselben Voraussetzungen wie für das Fertighaus. Bei Holzhäusern lohnt sich eine genaue Bestandsaufnahme mehr als schnelle Pauschalen, denn Holz nimmt Feuchte auf, schwindet und quillt. Planungsfehler zeigen sich dort früher als im Massivbau.
Wie läuft die Prüfung am Fertighaus ab?
Am Anfang steht die Besichtigung. Dabei gehen wir diese Punkte durch:
- Wie ist die Wand aufgebaut, und welche Außenbekleidung liegt darauf?
- In welchem Zustand sind Holz, Sockel und Anschlüsse? Gibt es Feuchteschäden?
- Besteht ein Schadstoffverdacht, der vorab untersucht werden muss?
- Welches zugelassene System und welche Dämmstärke passen zur Wand?
- Wie werden Sockel, Fenster und Dachüberstand ausgebildet?
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich ein belastbares Angebot erstellen.
Warum passt Holzfaser zu einem Holzhaus?
Ein Holzhaus bleibt gesund, wenn die Konstruktion trocken bleibt. Feuchte, die in die Wand gelangt, muss wieder hinaus. Darum sollen die Schichten von innen nach außen dampfoffener werden, nie umgekehrt.
Holzfaserplatten sind diffusionsoffen: Sie lassen Wasserdampf durch, nehmen Feuchtespitzen auf und geben sie wieder ab. Dazu kommt, dass Holzfaser selbst aus Holz besteht und zur gleichen Materialfamilie gehört wie Ständer, Schwellen und Beplankung. Das macht Verarbeitung und Detailausbildung für einen Schreinerbetrieb naheliegend.
Wie wird ein Holzständerhaus außen gedämmt?
Auf die Außenseite der Wand kommt ein Holzfaser-WDVS: Holzfaser-Putzträgerplatte, Armierung und ein diffusionsoffener Putz. Auf Holzrahmen- und Holzständerwänden darf nur ein System eingesetzt werden, das für den Holzbau zugelassen ist. Die Zulassungen der Hersteller legen fest, wie es aufgebaut und befestigt wird.
Bei einem Holzständerhaus sitzt die vorhandene Dämmung zwischen den Ständern. Das Holz der Ständer dämmt schlechter als der Dämmstoff und bildet Wärmebrücken. Eine durchgehende Lage außen deckt die Ständer ab und verbessert die Wand insgesamt.
Als Richtwert: Hat die Wand einen U-Wert von etwa 0,5 W/(m²K), also wenig Wärmeverlust pro Quadratmeter bei leichter Dämmung, kommen Sie mit etwa 140 mm Holzfaser rechnerisch auf 0,19 und damit unter das Förderziel von 0,20. Das genaue Maß wird für Ihr Haus berechnet. Die Tabelle dazu steht auf der Seite Holzfaserdämmung an der Fassade, den Systemaufbau erklärt die Seite Holzfaser-WDVS.
Die neue Außenschicht muss ebenfalls dampfoffen sein. Eine dichte Folie oder ein diffusionsdichter Anstrich würde die Wand einsperren.
Was heißt das für Sie? Fragen Sie bei jedem Angebot, welches System für den Holzbau zugelassen ist und auf Ihre Wand aufgebracht werden soll. Ein System, das nur für Mauerwerk gedacht ist, passt nicht auf Holzrahmen.
Was ist mit Schadstoffen im alten Fertighaus?
Nicht jedes Haus ist belastet. Bei Fertighäusern aus den 1960er bis 1980er Jahren sollten Sie bei Verdacht aber vor dem Eingriff untersuchen lassen. Möglich sind zum Beispiel Formaldehyd aus Holzwerkstoffen, Holzschutzmittel oder Asbest in Platten.
Die Untersuchung gehört in die Hände von Fachleuten für Schadstoffe, nicht in die Dämmplanung. Plattenmaterial mit Verdacht auf Asbest darf nicht angebohrt, zersägt oder abgerissen werden, bevor das Ergebnis vorliegt. Danach lässt sich entscheiden, wie die Fassade weiter bearbeitet wird.
Was heißt das für Sie? Haben Sie einen Verdacht, etwa durch dauerhaften Geruch oder unbekannte Plattenmaterialien, lassen Sie zuerst untersuchen und planen Sie danach.
Was passiert mit der alten Holzverkleidung?
Sie wird für das Holzfaser-WDVS in der Regel zurückgebaut. Nur wenn sie intakt und tragfähig ist und der Systemaufbau es zulässt, kann sie als Untergrund dienen. Das klären wir am Objekt.
Der Rückbau hat einen Vorteil: Danach sieht man, in welchem Zustand die Wand darunter ist. Beschichtungen und Holzschutzmittel auf alten Bekleidungen können belastet sein. Deshalb wird die Verkleidung vor dem Rückbau begutachtet, nicht erst beim Abreißen. Wie das Material zu entsorgen ist, hängt vom Ergebnis ab.
Was heißt das für Sie? Der Rückbau gehört zum Umfang der Arbeiten und damit ins Angebot.
Wie sieht mein Holzhaus nach der Dämmung aus?
Wie ein verputztes Haus. Die Holzoptik verschwindet, an ihre Stelle tritt eine geschlossene Putzfläche in einer Farbe, die Sie festlegen. Gibt es einen Bebauungsplan oder eine Gestaltungssatzung, können sie Vorgaben machen; mehr dazu auf der Seite Fassadendämmung Altbau. Wer die sichtbare Holzfassade behalten möchte, sollte das früh sagen.
Weitere Veränderungen, die Sie einplanen sollten:
- Die Wand wird dicker. Sie wächst um Dämmstärke und Putz.
- Fensterlaibungen werden tiefer. Die Laibung ist die seitliche Wandfläche am Fenster. Die Fensterbänke werden durch tiefere ersetzt.
- Der Dachüberstand wird kürzer. Er schützt das Haus weniger vor Regen und muss gegebenenfalls verlängert werden.
Ein Putz braucht wenig Pflege, solange Sockel, Anschlüsse und Dachüberstand stimmen. Ausgeführte Arbeiten zeigen die Referenzen.
Was heißt das für Sie? Ist Ihnen die Optik der Holzfassade wichtig, besprechen Sie das vor der Entscheidung. Eine Fassade mit Putz sieht anders aus, auch wenn Haus und Form gleich bleiben.
Worauf kommt es bei Feuchte und Anschlüssen an?
Bevor etwas auf die Wand kommt, muss klar sein, wie es darunter aussieht. Wir achten auf Verfärbungen, weiche Stellen, Pilzbefall und aufgequollene Beplankung, besonders am Sockel, an Fensteranschlüssen, unter Balkonen und an Dachrändern.
Dazu kommen die Details, an denen Holzhäuser typischerweise Schaden nehmen:
- Sockel: Das Holz darf nicht dauerhaft im Spritzwasser stehen. Der Spritzwasserbereich, etwa 30 cm über dem Gelände, wird mit einem feuchteunempfindlichen Sockeldämmstoff ausgeführt.
- Fenster und Türen: Anschlüsse werden luftdicht und regensicher ausgebildet, besonders wenn die Fenster in die Dämmebene wandern.
- Dachrand und Traufe: Ein zu kurzer Überstand ist bei Holzhäusern besonders ungünstig, weil Regen das Holz direkt trifft.
- Balkone und Veranden: Auskragende Bauteile aus Holz sind Wärmebrücken und Schwachstellen für Feuchte und werden einzeln beurteilt.
Diese Ausführung ist Schreinerhandwerk. Sie entscheidet darüber, ob die Fassade nach Jahren noch trocken ist.
Brauche ich für die Dämmung eine Genehmigung?
In Bayern ist das nachträgliche Dämmen der Außenwand verfahrensfrei, Sie brauchen also keinen Bauantrag (Art. 57 Abs. 1 Nr. 11 d BayBO). Bebauungsplan, Gestaltungssatzung, Abstandsflächen, Brandschutz und Denkmalschutz gelten trotzdem. Fragen Sie bei einem Bebauungsplan, einer Gestaltungssatzung oder einem Denkmal vorher bei der Gemeinde oder dem Bauamt nach. Die Grundlagen stehen auf der Seite Fassadendämmung Altbau, weitere Antworten auf der Seite Häufige Fragen.
Und wie ist das beim Blockhaus?
Eine Außendämmung ist möglich, verändert aber das Erscheinungsbild, weil die Blockwand verdeckt wird. Zusätzlich arbeitet ein Blockhaus: Die Stämme trocknen nach, die Wand setzt sich. Eine starr befestigte Dämmung samt Putz würde dieser Bewegung nicht folgen.
Anschlüsse an Fenster, Türen, Dachrand und Anbauten müssen deshalb so ausgeführt werden, dass die Wand sich weiter setzen darf, ohne dass etwas reißt oder klemmt. Das planen wir mit Ihnen am Objekt.
Planung, Förderung und nächster Schritt
Wer Fördermittel nutzen möchte, braucht eine Energieeffizienz-Expertin oder einen -Experten und muss den Antrag vor Beginn stellen. Die Einzelheiten stehen im Förder-Ratgeber. Wie die Zusammenarbeit abläuft, beschreibt die Seite Ablauf.
Wie hoch Kosten und Ersparnis bei Ihrem Haus ungefähr liegen, zeigt der Kostenrechner. Für eine Einschätzung am Objekt schreiben Sie uns über die Kontaktseite.
Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister
