Was ist ein Holzfaser-WDVS?
Ein Holzfaser-WDVS ist ein Fassadenaufbau, in dem Dämmplatte, Armierungsschicht und Putz als abgestimmtes System zusammenwirken. WDVS steht für Wärmedämm-Verbundsystem. Beim Holzfaser-WDVS besteht die Dämmplatte aus Holzfaser. Von außen sieht die Wand nachher aus wie eine normal verputzte Wand.
Der Aufbau ist diffusionsoffen: Alle Schichten lassen Wasserdampf nach außen durch, die Wand kann also trocknen. Warum das für das Haus gut ist und was Holzfaser sonst auszeichnet, steht auf der Seite Holzfaserdämmung Fassade.
Wie ist ein Holzfaser-WDVS aufgebaut?
Von der Wand nach außen besteht das System aus fünf Schichten:
- Ihre vorhandene Außenwand (Untergrund)
- Kleber und Dübel
- Holzfaser-Putzträgerplatte
- Armierungsschicht mit eingebettetem Gewebe
- Oberputz, bei Bedarf mit Anstrich
Einfach gesagt: Die Platten dämmen, die Armierung hält alles zusammen, und der Putz schützt vor Regen und Sonne. Keine Schicht funktioniert allein. Deshalb werden sie als abgestimmtes System geliefert und in dieser Reihenfolge eingebaut. Was an Ihrer Wand bei jedem Schritt passiert, lesen Sie im Folgenden.
Untergrund und Befestigung
Der Untergrund muss tragfähig, trocken und ausreichend eben sein. Üblich sind Mauerwerk und Holzständerwände. Die Platten werden geklebt, gedübelt oder beides: Auf Mauerwerk häufig verklebt und zusätzlich gedübelt, auf Holzuntergründen mechanisch befestigt. Welche Befestigung gewählt wird, legen das System und der Untergrund fest.
Ob ein vorhandener Putz bleiben kann, wird vorher geprüft (siehe die Fragen unten). Zum Mauerwerk im Bestand lesen Sie Fassadendämmung im Altbau, zur Holzwand Fassadendämmung beim Holzhaus.
Holzfaser-Putzträgerplatte
Die Putzträgerplatte ist eine Holzfaserplatte, deren Oberfläche Putz aufnehmen kann. Zugelassene Platten haben eine Wärmeleitfähigkeit (λ) von etwa 0,039 bis 0,045 W/(mK). Je kleiner der Wert, desto besser dämmt die Platte.
Die Platten werden dicht gestoßen und im Verband versetzt, so wie Mauersteine. Fugen, die nicht ganz schließen, werden fachgerecht gefüllt. Auf Mauerwerk sind sie einlagig meist bis 200 mm üblich. Welche Dicke Sie brauchen, zeigt die Tabelle auf der Seite Holzfaserdämmung Fassade.
Armierung mit Gewebe
Auf die Platten kommt eine Armierungsschicht, auch Unterputz genannt, in die ein Glasfasergewebe eingebettet wird. Sie verteilt Spannungen und hält den Putz über den Platten zusammen. An Fensterecken, Türen und Kanten werden Diagonalarmierungen und Eckprofile eingesetzt, damit die typischen Rissstellen gesichert sind.
Mineralischer Oberputz
Den Abschluss bildet ein diffusionsoffener mineralischer Putz. Er schützt die Holzfaser vor Regen und lässt Wasserdampf nach außen. Mineralische Putze gibt es in verschiedenen Strukturen, vom feinen Glattputz bis zum Kratzputz. Wie jeder Putz zeigt er im Lauf der Jahre Spuren von Wetter.
Wie wird der Sockel gedämmt?
Im Sockelbereich kommt keine Holzfaser an die Wand, sondern ein feuchteunempfindlicher Sockeldämmstoff, und zwar im Spritzwasserbereich bis etwa 30 cm über dem Gelände. Darüber beginnt die Holzfaserdämmung.
Der Sockel ist die verwundbarste Zone eines WDVS. Regen spritzt vom Boden auf, im Winter kommt Schnee dazu, und von unten kann Feuchte aufsteigen. Holzfaser mag keine dauerhafte Nässe.
Am Fuß des Systems sitzt ein Sockelprofil, das die erste Reihe führt und den Übergang sauber abschließt. Dieser Übergang lässt sich später nicht mehr korrigieren, deshalb planen wir ihn von Beginn an und besprechen die Höhe mit Ihnen anhand des Geländes.
Was passiert mit Fensterbänken, Rollläden und Anbauteilen?
Fensterbänke werden neu und tiefer, Rollladenkästen eigens geplant, und alles, was an der Fassade hängt, braucht neue Befestigungen. Die Hinweise stützen sich auf die Merkblätter des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM).
- Fensterbänke. Sie werden durch tiefere Außenfensterbänke ersetzt, mit Gefälle (bei Metall mindestens etwa 8 Prozent) und einer Tropfkante, die mindestens 4 cm vor der fertigen Putzoberfläche liegt. Der Einbau muss schlagregendicht sein, damit kein Wasser hinter die Dämmung läuft.
- Fenster. Werden Fenster neu eingebaut, wird der Rahmen außen um etwa 3 cm überdämmt. Das vermeidet Wärmebrücken. Bei bestehenden Fenstern wird die Laibung mitgedämmt, soweit der Platz reicht, und der Anschluss dicht ausgeführt.
- Rollläden und Jalousien. Die Kästen brauchen eine Detailplanung für Ihr Haus. Die Führungsschienen kommen erst nach dem Oberputz.
- Markise, Lampen, Satellitenschüssel. Dafür gibt es spezielle Montageelemente für gedämmte Fassaden. Schwere Lasten werden durch die Dämmung hindurch im Mauerwerk verankert. Ein einfaches Andübeln in die Dämmung trägt nur sehr wenig.
- Vordächer und Fallrohrschellen. Auch sie werden mit passenden Elementen befestigt.
- Dachüberstand und Fallrohre. Laut Verbraucherzentrale müssen Dachüberstände häufig verlängert und Regenfallrohre erneuert werden.
Legen Sie deshalb vor der Dämmung fest, wo später Markise, Lampen oder Schüssel hängen sollen. Das gehört in die Planung, nicht auf die Baustelle.
Wie lange hält ein Holzfaser-WDVS?
Das BBSR setzt für ein zugelassenes WDVS, auch mit Holzfaserplatten, in seiner Tabelle der Nutzungsdauern von Bauteilen (Stand 2026) mindestens 50 Jahre an. Für Putz auf Wärmedämmung sind es 45 Jahre, für den Fassadenanstrich etwa 20 Jahre. BBSR steht für Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Werte stehen in der Tabelle des BBSR zu Nutzungsdauern von Bauteilen.
Das sind Planungswerte für Lebenszyklusberechnungen und keine Garantie. Wie lange Ihre Fassade tatsächlich hält, hängt vor allem von der Ausführung ab: von sauberen Anschlüssen, einem dichten Sockel und einer Außenseite, die Wasser zuverlässig abweist.
Was muss ich pflegen, und wann wird gestrichen?
Eine Putzfassade braucht wenig Pflege. Wichtig ist eine Sichtkontrolle, etwa einmal im Jahr, auf Risse, Beschädigungen und die Anschlüsse an Fensterbänken und Sockel. Kleine Schäden lassen sich früh und günstig beheben.
Dazu gehört die Pflege des Umfelds: Sträucher zurückschneiden, Spritzwasser am Sockel vermeiden, Dachrinnen sauber halten. So bleibt die Fassade trocken. Zu Algen, die sich auf jeder Putzfassade ansiedeln können, lesen Sie Nachteile der Holzfaserdämmung.
Ein Anstrich ist nach etwa 20 Jahren ein realistischer Planungswert (BBSR). Bei der Farbe sind sehr dunkle Töne an Dämmflächen heikel, weil sich die Oberfläche in der Sonne stark aufheizt. Helle bis mittlere Töne belasten den Putz weniger.
Bei welchem Wetter und in welcher Jahreszeit wird gedämmt?
Ein Holzfaser-WDVS wird in der frostfreien Jahreszeit eingebaut, etwa vom Frühjahr bis in den Herbst. Laut den Zulassungen dürfen bei Verarbeitung und Erhärtung von Kleber, Armierung und Putz keine Temperaturen unter +5 °C auftreten, auch nachts nicht.
Dazu kommt die Trocknung. Der Unterputz braucht etwa einen Tag je Millimeter Schichtdicke, bevor der nächste Schritt folgt. Ein Oberputz ist nach etwa zwei Wochen durchgetrocknet. Diese Zeiten lassen sich nicht abkürzen.
Die Holzfaserplatten dürfen außerdem nur begrenzt ungeschützt im Wetter stehen, je nach Produkt etwa vier Wochen bis zwei Monate. Danach muss Putz darauf oder eine Plane davor. Bei Frost, Dauerregen oder praller Mittagssonne wird nicht verputzt. Planen Sie den Termin deshalb früh. Den Gesamtablauf beschreibt die Seite Ablauf.
Was gilt beim Brandschutz?
Holzfaser-WDVS sind normalentflammbar (Baustoffklasse E bzw. B2) und nach ihren Zulassungen dort einsetzbar, wo die Außenwandbekleidung normalentflammbar sein darf. In Bayern ist das bei Gebäudeklasse 1 bis 3 der Fall (Art. 26 BayBO). Dazu zählen Einfamilien-, Zweifamilien-, Doppel- und die meisten Reihenhäuser. Bei höheren Gebäuden ab Gebäudeklasse 4 ist es nicht der Fall.
Steht eine Wand an oder sehr nah an der Grundstücksgrenze (Gebäudeabschlusswand, Art. 28 BayBO), kann für die Dämmung „nichtbrennbar“ verlangt sein. Das erfüllt Holzfaser nicht. Ob das bei Ihnen gilt, wird im Einzelfall geprüft. Trifft es zu, braucht diese Wand eine andere Lösung – das klären wir, bevor wir ein Angebot machen. Mehr dazu unter Nachteile der Holzfaserdämmung.
Wann passt das System?
Ein Holzfaser-WDVS passt, wenn Sie eine verputzte Fassade behalten oder neu bekommen möchten, der Untergrund tragfähig ist und das Gebäude in die Gebäudeklassen 1 bis 3 fällt. Die Kosten hängen von Fläche und Dämmstärke ab, Zahlen und Förderhinweise stehen auf der Seite Kosten der Holzfaserdämmung.
Nächster Schritt
Berechnen Sie zuerst im Kostenrechner einen groben Rahmen für Ihre Fassade. Danach schicken Sie uns gern eine Anfrage mit Fotos. Wir sind ein Schreinerbetrieb aus Pentling bei Regensburg und schauen uns Untergrund, Sockel und Fenster gemeinsam mit Ihnen an.
Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister
