Holzfaserdämmung an der Fassade: Vorteile und die richtige Dicke

Holzfaserplatten werden außen auf die Wand gesetzt und verputzt. Hier lesen Sie, für welche Häuser das passt, wie dick die Dämmung sein muss und was mit Fenstern, Fensterbänken und Dachüberstand passiert.

Zweigeschossiges Haus mit frisch montierten Holzfaserdämmplatten an der Fassade, eingebauten Fenstern und Ziegeldach (Baustellenumfeld mit KI bereinigt)KI-bearbeitet: Baustellenumfeld mit KI bereinigt

Was ist Holzfaserdämmung an der Fassade, und für wen passt sie?

Bei der Holzfaserdämmung an der Fassade werden Dämmplatten aus Holzfasern von außen auf die Wand gebracht und verputzt. Fachleute nennen das ein Wärmedämm-Verbundsystem, kurz WDVS. Von außen sieht das Haus danach aus wie ein klassisch verputztes Haus, nur mit dickerer Wand.

Die Platten bestehen aus zerfaserten Holzresten, meist aus der Sägeindustrie. Die Fasern werden zu Platten gepresst und mit Bindemitteln verfestigt.

Sie passt für Eigentümer von Bestandshäusern aus Mauerwerk oder in Holzbauweise, die eine verputzte Fassade behalten oder bekommen möchten und Wert auf Sommerkomfort, Feuchteverhalten und einen nachwachsenden Rohstoff legen. Normalentflammbare Dämmung an der Außenwand ist in Bayern bei Gebäudeklasse 1 bis 3 erlaubt, also bei Einfamilien-, Zweifamilien-, Doppel- und den meisten Reihenhäusern. Steht eine Wand an oder sehr nah an der Grundstücksgrenze, wird der Brandschutz im Einzelfall geprüft (mehr dazu unter Nachteile der Holzfaserdämmung).

Wie dick muss die Holzfaserdämmung an der Fassade sein?

Bei ungedämmtem Mauerwerk aus der Zeit bis etwa 1978 sind meist 180 bis 200 mm nötig, bei Häusern von 1979 bis 1994 etwa 160 bis 180 mm und bei Holzhäusern mit etwas Dämmung etwa 140 mm. Maßstab ist die Anforderung der Förderung: ein U-Wert von höchstens 0,20.

Der U-Wert sagt, wie viel Wärme pro Quadratmeter Wand und Grad Temperaturunterschied nach außen verloren geht, angegeben in W/(m²K). Je kleiner, desto besser. Eine ungedämmte Wand der 1960er-Jahre liegt bei etwa 1,4. Mit 200 mm Holzfaser sind es rund 0,19, also gut 85 Prozent weniger Wärmeverlust über die Wandfläche.

So verändert sich der U-Wert nach der Dämmung (gerechnet mit dem vorsichtigen Wert λ = 0,043 W/(mK), gerundet):

Dämmstärke Mauerwerk ungedämmt (U ≈ 1,4, bis ca. 1978) Mauerwerk 1979–1994 (U ≈ 0,8) Holzhaus oder leicht gedämmt (U ≈ 0,5)
120 mm 0,29 0,25 0,21
140 mm 0,25 0,22 0,19
160 mm 0,23 0,20 0,17
180 mm 0,20 (knapp darüber) 0,18 0,16
200 mm 0,19 0,17 0,15

Fett gedruckt sind die Werte, die sicher unter 0,20 liegen. Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Berechnung für Ihr Haus. Vier Punkte gehören zur ehrlichen Einordnung:

  • Der Ausgangswert ist eine Annahme. Er richtet sich hier nach dem Baujahr. Der tatsächliche U-Wert Ihrer Wand hängt von Steinart, Wanddicke und Putz ab.
  • Das Produkt zählt. Zugelassene Holzfaser-Putzträgerplatten haben eine Wärmeleitfähigkeit (λ) von etwa 0,039 bis 0,045 W/(mK). Mit einem Produkt von 0,039 bis 0,040 reichen bei ungedämmtem Mauerwerk schon 180 mm (U 0,19).
  • Werte um 0,20 sind Grenzfälle. Das genaue Maß wird für den Förderantrag berechnet. Wer sicher sein will, nimmt eine Stufe mehr.
  • Mehr Dicke bringt immer weniger. Bei der ungedämmten Wand senken die ersten 40 mm (von 120 auf 160 mm) den U-Wert um 0,06, die nächsten 40 mm nur noch um 0,04. Gerüst, Armierung und Putz sind unabhängig von der Dämmstärke nötig.

Einlagig sind Holzfaser-WDVS auf Mauerwerk meist bis 200 mm üblich. Größere Stärken sind mit einzelnen Systemen möglich. Wie dick die Dämmung an Ihrer Wand sein darf und was dabei technisch zu beachten ist, steht auf der Seite Holzfaser WDVS. Steht Ihre Wand nah an der Grundstücksgrenze, spielt die Dicke auch rechtlich eine Rolle, siehe Fassadendämmung im Altbau.

Was passiert mit Fenstern, Fensterbänken, Rollläden und Dachüberstand?

Die Wand wird um die Dämmstärke plus Putz dicker. Das bleibt nicht ohne Folgen für alles, was an der Fassade sitzt:

  • Fenster und Laibungen. Die Laibung ist die Fläche seitlich, oben und unten in der Fensteröffnung. Sie wird tiefer und mitgedämmt. Bestehende Fenster können bleiben, der Anschluss muss dicht sein.
  • Fensterbänke außen. Sie werden durch neue, tiefere ersetzt, mit Gefälle und Tropfkante.
  • Rollläden. Rollladenkästen und Führungsschienen werden für Ihr Haus eigens geplant.
  • Dachüberstand. Durch die dickere Wand ragt das Dach weniger weit über. Laut Verbraucherzentrale müssen Dachüberstände deshalb häufig verlängert und Regenfallrohre erneuert werden. Ob das bei Ihnen nötig ist, sehen wir vor Ort.

Die Einzelheiten zu Fensterbänken, Rollläden und Anbauteilen wie Markise oder Lampen stehen auf der Seite Holzfaser WDVS.

Was spricht für Holzfaser an der Fassade?

Die Stärken von Holzfaser liegen weniger beim U-Wert als bei Hitze, Feuchte, Schall und Rohstoff. Bei gleichem U-Wert dämmt sie im Winter nicht besser als viele andere Dämmstoffe, braucht je nach Produkt aber eher etwas mehr Dicke.

Besserer Hitzeschutz im Sommer

Holzfaser speichert Wärme deutlich besser als leichte Dämmstoffe. Die spezifische Wärmekapazität liegt bei etwa 2.100 J/(kgK). Zusammen mit der Rohdichte der Platten verzögert das den Wärmedurchgang: Die Hitze des Nachmittags kommt erst spät innen an, oft erst nachts, wenn sich durchlüften lässt. Das macht Obergeschosse im Sommer meist erträglicher. Ein Ersatz für Verschattung ist das nicht.

Diffusionsoffener Aufbau

Diffusionsoffen heißt: Wasserdampf kann durch die Schicht hindurchwandern. Holzfaser nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab, ohne dass die Dämmwirkung dafür leidet. Das macht den Wandaufbau gutmütig, etwa bei Altbau-Mauerwerk mit schwankender Feuchte. Voraussetzung ist, dass alle Schichten dazu passen. Dauerhaft nasse Wände müssen vor der Dämmung saniert werden.

Schallschutz

Die weiche, faserige Struktur dämpft Schall. Straßenlärm von außen wird etwas besser abgehalten als bei starren Dämmplatten. Wie viel das im Einzelfall bringt, hängt vor allem von den Fenstern ab.

Warme Wände und ein nachwachsender Rohstoff

Eine außen gedämmte Wand hat innen eine wärmere Oberfläche, das empfinden die meisten als behaglicher. Außerdem bindet Holz beim Wachsen CO₂, das im Dämmstoff gespeichert bleibt, solange er verbaut ist. Die Herstellung braucht Energie, Holzfaser ist deshalb kein Selbstläufer in der Ökobilanz. Im Vergleich mit erdölbasierten Dämmstoffen steht sie aber gut da.

Wo hat Holzfaser an der Fassade Grenzen?

Holzfaser ist normalentflammbar (Baustoffklasse E bzw. B2) und meist teurer als einfache Standarddämmstoffe. Sie reagiert empfindlich auf dauernde Nässe, deshalb müssen Sockel, Fensteranschlüsse und Wetterschutz sorgfältig geplant werden. Die Platten sind außerdem schwerer als viele Alternativen. Eine nüchterne Aufstellung finden Sie unter Nachteile der Holzfaserdämmung.

Wie wird die Fassade mit Holzfaser gedämmt?

Wir führen die Fassadendämmung als verputztes Holzfaser-WDVS aus. Die Platten werden auf die Wand geklebt oder gedübelt, mit Gewebe armiert und mit mineralischem Putz überzogen. Schicht für Schicht erklärt das die Seite Holzfaser WDVS. Die einzelnen Arbeitsschritte vom Gerüst bis zum Putz beschreibt der Ablauf.

Vor dem Angebot schauen wir uns an:

  • Untergrund: Ist die Wand tragfähig, trocken und eben? Sitzt der alte Putz fest?
  • Sockel: Wie hoch reicht das Gelände, und wo spritzt Regenwasser auf?
  • Dachüberstand und Anbauteile: Was muss verlängert, versetzt oder neu befestigt werden?
  • Brandschutz: Gebäudeklasse und Abstand zum Nachbargrundstück bestimmen, was für den Aufbau gilt.

Besonders gut passt das System zu Mauerwerk im Bestand, mehr dazu unter Fassadendämmung im Altbau, und zu Holzständerbauten, siehe Fassadendämmung beim Holzhaus.

Lohnt sich das?

Ob sich die Dämmung für Sie rechnet, hängt von Baujahr, Wandzustand, Heizkosten, Fläche und Förderung ab. Ohne Ihr Haus wäre jede pauschale Zahl unseriös. Für einen ersten Überblick gibt es den Kostenrechner.

Für die Fassadendämmung gibt es Förderung, nämlich einen Zuschuss über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder eine Steuerermäßigung. Voraussetzung ist ein U-Wert von höchstens 0,20, deshalb lohnt sich der Blick auf die Tabelle oben. Die Bedingungen stehen im Förder-Ratgeber.

Holzfaser oder ein anderer Dämmstoff?

Holzfaser ist nicht für jedes Haus die einzige vernünftige Wahl. Wer vor allem auf den Preis schaut oder wenig Platz an der Wand hat, kommt womöglich mit einem anderen Dämmstoff besser zurecht. Wo Sommerkomfort, Feuchteverhalten und ein ökologischer Aufbau zählen, spielt Holzfaser ihre Stärken aus. Die Gegenüberstellung steht auf der Seite Holzfaser und Mineralwolle im Vergleich.

Wer führt das aus?

holzlindner ist ein Schreinerei- und Objektbaubetrieb von Schreinermeister Sebastian Lindner. Die Werkstatt liegt in Pentling-Graßlfing bei Regensburg, der Firmensitz in Kelheim. Das Einsatzgebiet reicht von Regensburg und Kelheim über Landshut, Ingolstadt und Straubing bis München.

Mehr zum Betrieb lesen Sie unter Über uns, fertige Arbeiten zeigen die Referenzen. Häufige Fragen sind in der allgemeinen FAQ gesammelt.

Nächster Schritt

Wie viel Ihre Fassade ungefähr kosten würde, zeigt der Rechner auf der Kostenseite. Für eine konkrete Einschätzung schicken Sie uns über die Anfrage ein paar Angaben und Fotos des Hauses.

Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister

Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, welchen U-Wert meine Außenwand hat?

Ein Anhaltspunkt ist das Baujahr: Ungedämmtes Mauerwerk aus der Zeit bis etwa 1978 liegt meist bei einem U-Wert um 1,4, Häuser von 1979 bis 1994 eher bei 0,8. Genau lässt sich der Wert aber nur aus dem Wandaufbau berechnen, also aus Steinart, Wanddicke und Putz.

Hilfreich sind Bauunterlagen, ein vorhandener Energieausweis oder eine Energieberatung. Für einen Förderantrag wird die Dämmstärke ohnehin für Ihre Wand berechnet.

Reicht es, nur eine Fassadenseite zu dämmen?

Technisch ist das möglich, etwa bei der Wetterseite oder einer Giebelwand. Dann bleibt der Wärmeverlust über die übrigen Wände aber unverändert, und an der Kante zur ungedämmten Wand muss der Übergang sauber geplant werden.

Wer eine Förderung nutzen möchte, sollte vorab klären, ob auch eine Teilfläche die Bedingungen erfüllt. Im Beratungsgespräch sprechen wir durch, welche Seiten sich für Ihr Haus lohnen.

Was kommt zuerst: neue Fenster oder die Fassadendämmung?

Am besten werden beide gemeinsam geplant. Werden Fenster ohnehin neu eingebaut, kann der Rahmen außen um etwa 3 cm überdämmt werden. Das spart Wärmebrücken und macht den Anschluss einfacher.

Bleiben die alten Fenster erst einmal, lässt sich die Fassade trotzdem dämmen. Der spätere Tausch kann dann aufwendiger sein, weil die Anschlüsse an der fertigen Fassade nachgearbeitet werden müssen.

Muss die Heizung nach der Fassadendämmung angepasst werden?

Nach der Dämmung braucht das Haus weniger Heizwärme, die vorhandene Heizung kann dann größer sein als nötig. Ob sich eine Anpassung lohnt, etwa niedrigere Vorlauftemperaturen oder ein anderer Wärmeerzeuger, hängt vom Gebäude und von der Anlage ab.

Das klären Sie am besten mit einer Energieberaterin oder einem Heizungsbauer. Wer ohnehin einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen lässt, kann die Reihenfolge der Maßnahmen gleich mit festlegen.

Was unterscheidet die Fassadendämmung von einer Innendämmung?

Die Außendämmung legt die gesamte Wand in die warme Zone. Das Mauerwerk bleibt wärmer, Wärmebrücken an Decken und Wandanschlüssen werden entschärft, und Sie verlieren keine Wohnfläche. Außerdem bleibt die Speichermasse der Wand für den Innenraum nutzbar.

Eine Innendämmung kommt infrage, wenn die Fassade erhalten bleiben soll oder eine Außendämmung nicht möglich ist. Sie ist bauphysikalisch anspruchsvoller, weil Feuchte an der kalten Wandseite anfallen kann.

Was kostet die Dämmung Ihrer Fassade?

Mit dem Rechner haben Sie in zwei Minuten eine Kostenspanne samt Förderung. Lieber gleich persönlich? Rufen Sie an oder schreiben Sie uns per WhatsApp.