Holzfaser, Mineralwolle oder Styropor: Was passt zu meinem Haus?
Für ein Ein- oder Zweifamilienhaus kommen meist alle drei Dämmstoffe infrage. Holzfaser punktet bei Sommerhitze, Feuchte und Ökobilanz, Styropor beim Preis und beim schlanken Aufbau, Mineralwolle beim Brandschutz.
Die Tabelle zeigt übliche Spannen, die je nach Produkt und Hersteller abweichen. Maßgeblich sind immer die Angaben des tatsächlich eingebauten Produkts. Mit Styropor ist EPS gemeint, expandiertes Polystyrol, die häufigste Alternative an Fassaden.
| Merkmal | Holzfaser | Mineralwolle (Stein-/Glaswolle) | Styropor (EPS) |
|---|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit λ | etwa 0,039–0,045 W/(mK) | etwa 0,032–0,040 W/(mK) | etwa 0,031–0,040 W/(mK) |
| Rohdichte | mittel bis hoch (grob 100–250 kg/m³) | Steinwolle mittel, Glaswolle niedrig | sehr niedrig |
| Spezifische Wärmekapazität | etwa 2.100 J/(kgK) | etwa 800–1.000 J/(kgK) | etwa 1.200–1.500 J/(kgK) |
| Sommerlicher Hitzeschutz | sehr gut | mäßig | mäßig |
| Feuchteverhalten | nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab | nimmt wenig auf, verliert bei Durchfeuchtung Dämmwirkung | nimmt kaum auf |
| Diffusionsoffenheit | hoch | sehr hoch | geringer |
| Schallschutz | gut | gut | meist schwächer |
| Brandverhalten | normalentflammbar (E / B2) | nichtbrennbar (A1 / A2) | je nach Produkt schwer- oder normalentflammbar |
| Einsatz nach Gebäudeklasse (Bayern) | Gebäudeklasse 1–3, ab Gebäudeklasse 4 nicht | auch bei höheren Gebäuden einsetzbar | je nach Produkt und Zulassung |
| Wo „nichtbrennbar“ verlangt wird | nicht zulässig | zulässig | nicht zulässig |
| Rohstoff und Ökobilanz | nachwachsend, speichert CO₂ | mineralisch, energieintensive Herstellung | erdölbasiert |
| Entsorgung | meist thermisch verwertbar | meist Deponie | Verwertung je nach Produkt |
| Materialpreis (relativ) | höher | mittel | niedrig |
| Verarbeitung | angenehm, Staub beim Zuschnitt | Fasern reizen Haut und Atemwege | leicht, Staub beim Zuschnitt |
Holzfaser oder Styropor: Wo liegt der eigentliche Unterschied?
Styropor ist im Material günstiger, leichter und schlanker, Holzfaser schützt im Sommer besser, ist diffusionsoffen und nachwachsend. Welcher Unterschied für Sie zählt, hängt von Ihrer Priorität ab.
Für Styropor sprechen der niedrige Materialpreis, das geringe Gewicht und die gute Dämmwirkung pro Zentimeter. Es wird auf Mauerwerk häufig eingesetzt. Dagegen sprechen die geringere Wärmespeicherung, die geringere Diffusionsoffenheit, der erdölbasierte Rohstoff und der meist schwächere Schallschutz.
Für Holzfaser sprechen Hitzeschutz, Feuchteausgleich und die Ökobilanz. Dagegen sprechen der höhere Preis, die größere nötige Dämmstärke und das höhere Gewicht der Platten.
Bekommen Sie Angebote für beide, vergleichen Sie bei gleichem U-Wert. Dann sehen Sie, was der Unterschied am fertigen Haus wirklich kostet.
Welcher Dämmstoff dämmt pro Zentimeter am besten?
Mineralwolle und Styropor liegen bei der Wärmeleitfähigkeit meist etwas vorn. Je kleiner der Wert, desto weniger Dämmstoff brauchen Sie für dasselbe Ergebnis.
Holzfaser muss für denselben U-Wert deshalb oft einige Zentimeter dicker werden. Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter Wand verloren geht. Das ist kein Mangel, will aber eingeplant sein: bei Dachüberstand, Fensterlaibungen und Sockel. Welche Stärke Ihre Wand braucht, steht unter Holzfaserdämmung an der Fassade.
Welcher Dämmstoff schützt im Sommer besser vor Hitze?
Holzfaser. Hier zählt nicht nur der U-Wert, sondern die Wärmespeicherung. Holzfaser hat mit etwa 2.100 J/(kgK) eine mehr als doppelt so hohe spezifische Wärmekapazität wie Mineralwolle, auch Styropor liegt darunter. Zusammen mit der höheren Rohdichte verzögert sie die Hitze, die tagsüber auf die Fassade trifft. Sie erreicht die Innenräume erst spät, oft erst abends, wenn sich lüften lässt.
Das merkt man besonders in Dachgeschossen und in Häusern mit viel Sonneneinstrahlung. Mineralwolle und Styropor dämmen im Winter gut, bremsen die Sommerhitze aber weniger.
Wie gehen die Dämmstoffe mit Feuchte um?
Holzfaser ist diffusionsoffen und kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben, ohne gleich ihre Funktion zu verlieren. Diffusionsoffen heißt, dass Wasserdampf durch den Stoff nach außen wandern kann. Im Altbau mit Mauerwerk ist das ein Vorteil, weil Feuchte aus der Wand entweichen kann.
Mineralwolle ist ebenfalls sehr diffusionsoffen, nimmt aber kaum Feuchte auf und dämmt schlechter, wenn sie durchnässt wird. Styropor ist weniger diffusionsoffen und nimmt kaum Wasser auf. Auf Mauerwerk wird es trotzdem häufig eingesetzt. Bei allen drei gilt: Der Einbau muss trocken und fachgerecht erfolgen.
Brandschutz: Was gilt bei den Gebäudeklassen 1 bis 3?
Mineralwolle ist nichtbrennbar, Holzfaser ist normalentflammbar. Das ist ein echter Unterschied, und wir reden ihn nicht klein. Auch Styropor ist brennbar, je nach Produkt schwer- oder normalentflammbar.
In Bayern darf Holzfaser dort eingesetzt werden, wo die Außenwandbekleidung normalentflammbar sein darf. Das ist bei den Gebäudeklassen 1 bis 3 der Fall, also bei Einfamilien-, Zweifamilien-, Doppel- und den meisten Reihenhäusern. Ab Gebäudeklasse 4 ist Holzfaser nicht zulässig. Wird an einer Wand an der Grundstücksgrenze „nichtbrennbar“ verlangt, scheidet sie dort aus, ebenso Styropor.
Wann das bei Ihrem Haus zutrifft, steht unter Brennbarkeit der Holzfaserdämmung.
Und der Schallschutz?
Holzfaser und Mineralwolle liegen nah beieinander: Holzfaser profitiert von ihrer höheren Rohdichte, Mineralwolle von ihrer faserigen Struktur. Styropor ist in der Regel schwächer und kann je nach Aufbau sogar ungünstig auf den Schall wirken.
Ob Sie den Unterschied im Alltag hören, hängt vor allem von Wand, Fenstern und Standort ab. Wer an einer lauten Straße wohnt, sollte das gezielt besprechen.
Was kostet der Unterschied?
Im Material ist Styropor meist am günstigsten, Mineralwolle liegt in der Mitte, Holzfaser ist oft am teuersten. Gerüst, Putz, Befestigung und Arbeitszeit fallen aber bei jedem Dämmstoff an. Der Unterschied am fertigen Haus ist deshalb kleiner als der am Dämmstoff allein.
Eine Einschätzung für Ihr Gebäude gibt der Kostenrechner, die Hintergründe stehen auf der Seite Kosten der Holzfaserdämmung.
Ökobilanz, Entsorgung und Verarbeitung
Holzfaser besteht aus Restholz der Sägeindustrie. Das Holz hat beim Wachsen CO₂ gebunden, das im Dämmstoff gespeichert bleibt. Mineralwolle wird aus Gestein oder Glas bei hohen Temperaturen geschmolzen, Styropor entsteht aus Erdöl.
Bei der Entsorgung ist Holzfaser meist im Vorteil, weil sie sich in vielen Fällen thermisch verwerten lässt. Bei der Verarbeitung kann Mineralwolle auf der Haut jucken und die Atemwege reizen. Staub entsteht beim Zuschnitt bei allen drei Stoffen, Atemschutz gehört immer dazu.
Wie entscheide ich mich? Eine Entscheidungshilfe
Als Schreinerei bieten wir die Fassade als verputztes Holzfaser-WDVS an. Wo ein anderer Dämmstoff besser passt, sagen wir es Ihnen ehrlich. Diese Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Ihre Situation | Eher geeignet |
|---|---|
| Ein-, Zweifamilien-, Doppel- oder Reihenhaus (Gebäudeklasse 1 bis 3) | alle drei, Holzfaser ist zulässig |
| Sommerhitze unter dem Dach, Altbau mit Mauerwerk, Feuchteausgleich in der Wand | Holzfaser |
| Nachwachsender Rohstoff und CO₂-Speicher sind Ihnen wichtig | Holzfaser |
| Gebäude ab Gebäudeklasse 4 oder Wand, an der „nichtbrennbar“ verlangt wird | Mineralwolle |
| Sehr wenig Platz, etwa bei knappem Dachüberstand oder an der Grundstücksgrenze | Mineralwolle oder Styropor, sie dämmen pro Zentimeter besser |
| Der Materialpreis setzt die Grenze | Styropor |
Auch bei einer Sanierung im Bestand lohnt der Blick auf das ganze Haus. Oft entscheidet nicht der Dämmstoff allein, sondern das Zusammenspiel aus Wand, Fenstern und Dach.
Ihr nächster Schritt
Wie der Aufbau mit Holzfaser aussieht, zeigt die Seite zum Holzfaser-WDVS mit Putz. Mögliche Schwächen besprechen wir offen unter Nachteile der Holzfaserdämmung.
Eine erste Einschätzung für Ihr Haus gibt der Kostenrechner. Welcher Dämmstoff zu Ihrem Haus passt, klären wir gern bei Ihnen vor Ort. Schreiben Sie uns über die Kontaktseite.
Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister