Hat Holzfaserdämmung Nachteile?
Ja, vier echte: Sie ist normalentflammbar, braucht etwas mehr Dämmstärke, ist im Material teurer und verträgt beim Einbau keinen Frost und keinen langen Regen. Algen und Spechte betreffen dagegen alle gedämmten Putzfassaden, und Schimmel hat bei trockenem Einbau keinen Anlass.
Probleme entstehen meist dort, wo Nässe in die Wand gelangt, durch Regen in der Bauphase oder undichte Anschlüsse. Das gilt für jeden Dämmstoff.
| Einwand | Stimmt das? | Einordnung |
|---|---|---|
| Brennbarkeit | Ja, normalentflammbar | In Bayern bei Gebäudeklasse 1 bis 3 zulässig, an Grenzwänden im Einzelfall prüfen |
| Wetter beim Einbau | Ja | Arbeit für die frostfreie Jahreszeit, Platten nur begrenzt ungeschützt |
| Dämmstärke | Etwas mehr nötig | Dachüberstand, Fensterbänke und Sockel vorher prüfen |
| Preis | Im Material meist ja | Am fertigen Haus ist der Unterschied kleiner |
| Lebensdauer | Kein Nachteil | Planungswert des BBSR: mindestens 50 Jahre für das System |
| Algen, Spechte | Betrifft alle Putzfassaden | Standort und Konstruktion entscheiden |
Ist Holzfaserdämmung brennbar?
Ja. Holzfaser ist normalentflammbar, nicht nichtbrennbar wie Mineralwolle. Das ist ein echter Nachteil, der bei den meisten Ein- und Zweifamilienhäusern aber rechtlich kein Hindernis ist.
Die Zulassungen der Hersteller erlauben Holzfaser-WDVS dort, wo die Außenwandbekleidung normalentflammbar sein darf. In Bayern ist das bei den Gebäudeklassen 1 bis 3 der Fall (Art. 26 BayBO). Dazu zählen Einfamilien-, Zweifamilien-, Doppel- und die meisten Reihenhäuser. Bei höheren Gebäuden ab Gebäudeklasse 4 ist Holzfaser nicht zulässig. Die Gebäudeklasse richtet sich vor allem nach Höhe und Zahl der Wohnungen.
Brandriegel, also Streifen aus nichtbrennbarem Dämmstoff im System, verlangt die Bayerische Bauordnung bei den Gebäudeklassen 1 bis 3 nicht.
Was gilt, wenn die Wand an der Grundstücksgrenze steht?
Dann kann für die Dämmung „nichtbrennbar“ verlangt sein, und das erfüllt Holzfaser nicht. Es betrifft Wände an oder sehr nah an der Grundstücksgrenze, die sogenannten Gebäudeabschlusswände (Art. 28 BayBO).
Ob das für Ihre Wand gilt, wird im Einzelfall geprüft. Trifft es zu, braucht diese Wand eine andere Lösung. Wir klären das vor der Planung. Fragen Sie in jedem Angebot nach, für welche Gebäudeklasse das System zugelassen ist und wie die Wand zum Nachbarn behandelt wird. Was bei Grenzbebauung außerdem zu beachten ist, steht unter Fassadendämmung im Altbau. Den Vergleich der Brandeigenschaften finden Sie unter Holzfaser vs Mineralwolle und Styropor.
Wie lange hält eine Holzfaserdämmung?
Das BBSR (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) setzt in seiner Tabelle der Nutzungsdauern von Bauteilen für ein zugelassenes WDVS, auch mit Holzfaserplatten, mindestens 50 Jahre an. Das sind Planungswerte für Lebenszyklusberechnungen und keine Garantie.
Die Oberfläche altert früher als die Dämmung darunter. Für Putz auf Wärmedämmung setzt das BBSR 45 Jahre an, für den Fassadenanstrich etwa 20. Rechnen Sie also damit, dass ein Neuanstrich früher fällig wird als eine neue Dämmung.
Wichtiger als die Zahl ist die Pflege: Risse im Putz und undichte Anschlüsse sollten Sie früh beheben lassen, denn Nässe ist die eigentliche Gefahr. Eine Sichtkontrolle etwa einmal im Jahr findet kleine Schäden, bevor sie größer werden. Wie Putz und Anschlüsse aufgebaut sind, steht unter Holzfaser-WDVS.
Verträgt Holzfaserdämmung Regen und Kälte beim Einbau?
Nur begrenzt. Bei Frost darf nicht verarbeitet werden, und die Platten dürfen nach dem Ansetzen nicht beliebig lange ungeschützt im Regen stehen. Ist die Fassade fertig verputzt, spielt das keine Rolle mehr.
Die Vorgaben der Zulassungen:
- Temperatur: Bei Verarbeitung und Erhärtung von Kleber, Armierung und Putz dürfen keine Temperaturen unter +5 °C auftreten, auch nachts nicht.
- Freibewitterung: Je nach Produkt dürfen die Platten nur etwa vier Wochen bis zwei Monate ungeschützt der Witterung ausgesetzt sein. Danach muss Putz darauf oder eine Plane davor.
- Trocknung: Der Unterputz braucht etwa einen Tag je Millimeter Schichtdicke, bevor der nächste Schritt folgt. Ein Oberputz ist nach etwa zwei Wochen durchgetrocknet.
Daraus folgt: Fassadendämmung mit Holzfaser ist eine Arbeit für die frostfreie Jahreszeit, etwa vom Frühjahr bis in den Herbst. Die Trocknungszeiten lassen sich nicht abkürzen, deshalb steht das Gerüst oft länger, als die reine Arbeitszeit vermuten lässt. Den Zeitplan nennen wir im Angebot. Wir lagern die Platten trocken, planen nach der Wetterlage und schließen Abschnitte zügig. Wie das im Ablauf aussieht, steht unter Ablauf.
Braucht Holzfaser mehr Dämmstärke als Styropor oder Mineralwolle?
Ja, etwas mehr. Zugelassene Holzfaser-Putzträgerplatten haben einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit (λ) von etwa 0,039 bis 0,045 W/(mK). Mineralwolle und Styropor liegen oft etwas darunter. Für denselben U-Wert wird die Dämmschicht deshalb einige Zentimeter dicker.
Bei ungedämmtem Mauerwerk sind für die Förder-Anforderung von höchstens 0,20 W/(m²K) meist 180 bis 200 mm nötig. Einlagig sind die Platten auf Mauerwerk meist bis 200 mm zugelassen, einzelne Produkte bis 300 mm.
Kritisch wird es dort, wo wenig Platz ist: am Dachüberstand, bei den Fensterbänken, an den Laibungen und am Sockel. Wir prüfen diese Stellen vor der Planung und sagen es ehrlich, wenn der Platz nicht reicht. Die Stärken für verschiedene Wände zeigt die Seite Holzfaserdämmung an der Fassade.
Auch das Gewicht gehört zu den Eigenheiten: Holzfaserplatten sind schwerer als Styropor oder Mineralwolle. Das fordert die Befestigung am Untergrund. Wir prüfen vor dem Einbau, ob die Wand trägt, und stimmen Kleber und Dübel darauf ab. Das Gewicht hat zugleich einen Nutzen, denn es trägt zum Hitzeschutz im Sommer bei.
Ist Holzfaserdämmung teurer?
Im Material meist ja, gegenüber Styropor deutlich, gegenüber Mineralwolle oft. Am fertigen Haus ist der Unterschied kleiner, denn Gerüst, Putz, Arbeitszeit und Details fallen bei jedem Dämmstoff an. Dem Mehrpreis stehen besserer Hitzeschutz und das Feuchteverhalten gegenüber.
Was Ihre Fassade kostet und wann sich die Dämmung rechnet, zeigen der Rechner und die Ratgeber-Texte auf der Seite Kosten der Holzfaserdämmung.
Bekommt eine Holzfaserfassade Schimmel, Algen oder Spechtlöcher?
Schimmel nicht bei trockenem Einbau, Algen und Spechte betreffen gedämmte Putzfassaden allgemein, nicht nur Holzfaser.
- Schimmel: Entscheidend ist die Feuchte. Trocken eingebaut und mit sauberen Anschlüssen an Fenster und Sockel kann die Wand nach außen abtrocknen. Dafür ist die Diffusionsoffenheit da. Problematisch wird es bei dauerhafter Nässe, etwa durch undichte Anschlüsse.
- Algen: Gedämmte Putzfassaden kühlen nachts stark aus, Tau bleibt liegen, die Fassade kann grünlich werden. Dagegen helfen ein ausreichender Dachüberstand, Spritzwasserschutz am Sockel, Abstand zur Bepflanzung und eine passende Putzwahl. Ganz ausschließen lässt sich Algenwuchs nicht.
- Spechte und Insekten: Das hängt stark vom Standort ab, etwa Waldnähe und Gehölz. Sorgfältige Anschlüsse ohne offene Fugen und ein Auge auf frühe Anzeichen halten Schäden klein.
Für wen passt Holzfaser nicht?
Holzfaser ist nicht für jedes Haus die beste Lösung. Eine andere Lösung ist besser bei:
- Gebäuden ab Gebäudeklasse 4,
- Wänden, für die „nichtbrennbar“ verlangt wird, etwa an der Grundstücksgrenze,
- sehr knappem Platz, wenn es auf jeden Zentimeter ankommt,
- einem Budget, das beim Material die Grenze setzt.
In diesen Fällen ist Mineralwolle oft die einfachere Lösung, bei knappem Budget Styropor. Für Ein- und Zweifamilienhäuser und für Altbauten, bei denen Feuchte und Sommerhitze zählen, sehen wir dagegen viele Vorteile. Häufige Fragen finden Sie außerdem in der FAQ.
Ihr nächster Schritt
Am besten prüfen wir Ihr Haus vor Ort und sagen Ihnen, ob Holzfaser passt. Eine erste Einschätzung bekommen Sie im Kostenrechner, oder Sie schreiben uns direkt über die Kontaktseite.
Stand: · Sebastian Lindner, Schreinermeister